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Bildarchitekturen zwischen Realismus und Abstraktion
Die Architektur ist die älteste der bildenden Künste. Sie
gestaltet und baut auf. Auch der Maler
Sascha Berretz
beherrscht die Kunst des Aufbauens bei der Komposition
seiner Werke. Wie bei
einem Gebäude sind bis zur Vollendung eines Gemäldes verschiedene Arbeitsgänge und
Prozesse notwendig.
Der Aufbau seiner Bilder erfolgt Schicht für Schicht.
Dabei lässt sich Sascha Berretz oftmals viel Zeit –
manche seiner Arbeiten benötigen Jahre bis zu ihrer
Fertigstellung. Charakteristisch für den Künstler
ist die
Auswahl des Malgrundes auf dem seine Werke entstehen.
Er setzt ungewöhnliche Materialien wie Dekostoffe
und Brokat ein, die aufgrund ihrer Oberflächenstruktur eine besondere Herausforderung für ihn darstellen.
Sascha Berretz, 1973 geboren und aufgewachsen
in Aachen, begann schon als Kind ausdauernd zu zeichnen,
studierte Malerei an der Akademie für Bildende Künste in
Maastricht und
arbeitet seit 1993 als freischaffender Künstler
in seiner Heimatstadt.
Künstlerisch beeinflusst haben den jungen Maler einerseits die
Vertreter des „Informel“ seiner Heimatregion wie Karl Otto Götz
und Karl Fred Dahmen andererseits hat ihn der Kunststil des
„Kapitalistischen Realismus“ fasziniert, dessen wichtigste Vertreter
Gerhard Richter und
Sigmar Polke in den frühen 60er Jahren
waren. Der Begriff, als Entsprechung zum „Sozialistischen Realismus“
gewählt, sollte den von Konsum und Freizeit gekennzeichneten
westdeutschen Kapitalismus der 50er und 60er Jahre ironisch
entlarven.
Informel und Realismus sind gegensätzliche Richtungen in der
Malerei. Brüche, Gegensätze und Widersprüche interessieren den Maler
und sind ihm wichtig. Er selbst spricht vom „Kampf der Stile“
und den
„Schlachten der Farben und Materialien“ in seinen Werken. Am Ende des
Kampfes zeigen seine Bilder eine faszinierende und für sein Oeuvre typische Wechselwirkung
zwischen Abstraktion
und Gegenständlichkeit.
Mal beginnt Sascha Berretz den Aufbau eines Bildes mit einer realistischen Zeichnung, die er inner-
halb des weiteren Entstehungsprozesses Schicht
um Schicht immer weiter verfremdet und verändert. Aus einer detailgetreuen
Basis entsteht im Verlauf verschiedener Malakte eine abstrakte Bild-komposition,
in der für den Betrachter das ursprüngliche Bildmotiv nur noch schemenhaft erkennbar
ist und es nach einiger Zeit erst deutlich wird.
Die Basis anderer Werke ist ein für die Künstler des Informel typischer dynamisch -spontane und
vom Zufall beeinflusster Malakt. Am Anfang steht oft nur die Vorstellung einer bestimmten Farbigkeit.
Das
Bild erwächst dann schrittweise wiederum Schicht für Schicht aus Farbklecksen und ersten Pinselstrichen in der Auseinadersetzung mit den vorgegebenen Strukturen des Malgrundes.
Welchen der beiden Ansätze Sascha Berretz für die Entstehung eines Bildes auch
wählt ,das
Ergebnis ist ein faszinierendes Werk, das sich in seiner Vielschichtigkeit dem Betrachter auf verschieden
Ebenen erschließt.
Die Ausstellung und das begleitende Katalogbuch gibt einen Überblick über die Werkphasen und
Zyklen, die der Maler in den letzten Jahren entwickelt hat.
Ausstellungsdaten:
regio iT aachen 15. Juni 2007 - 14. September 2007
ARTCO Galerie 08. Mai 2009 - 08. Juni 2009
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