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| West to West |
| ARTCO Galerie GmbH | |||
Owusu Ankomah - Diagne Chanel - Amouzou Glikpa -
George Hughes - Jems Koko Bi - EL Loko - Zinkpé
Ausstellungskonzept
West to West
Zeitgenössische afrikanische Künstler in der Diaspora.
Afrikas Menschen wurden zu Millionen nach Westen verschifft und kamen in die Sklaverei.
Bereits auf der Jagd nach ihnen im Inneren des Kontinents und erst recht später bei der eingepferchten und stinkigen Überfahrt starben wahrscheinlich genauso viele über die
Jahrhunderte hin, bis es zum Verbot der Sklaverei kam. Die einen hofften also, den Westen zu schaffen, um zu überleben – auch wenn es in der Sklaverei war; andere kreierten aus diesem neuen Westen der Tränen nebenbei ihr magisches Gärtchen mit etwas von Afrika in den Beeten.
So kam Afrika in unendlich vielen kleinen menschlichen Samen und Kieselsteinchen nach dem Westen, sie bedeckten ihn, verwandelten ihn und insgeheim wurde nach und nach aus dem Westen eine Kategorie Afrikas.
Wenn also heute Tausende afrikanischer Menschen nach Westen ziehen, ist dieser Exodus
eine Suche nach den Resten eines verlorenen Afrikas.
Diese Immigranten sind auf der Suche nach dem anderen Teil des auseinander gebrochenen Afrikas. Es gibt in der Esoterik den mythischen Glauben von Atlantis; für Afrikas Menschen ist Atlantik mehr als ein verlorener Traum; es ist ihr Westen. Das Meer dazwischen machen die Tränen aus. Für den Europäer ist Atlantis auseinander gebrochen; für den Afrikaner ist der
Westen davongeschwommen und dazwischen sind all die Wasser der Trauer und Verzweiflung,
die Wasser des Fernwehs, all das Wasser, das auf dem harten Kontinent fehlt und ihn ausgetrocknet hat. Afrika, der Ozean und der Westen sind eins geworden und deshalb träumen viele gar so weit, dass dieser Westen nichts anderes als das erweiterte Afrika ist.
Nun ziehen also Künstler gen Westen auf Spurensuche. Sie ziehen nicht aus; sie gehen auf Erkundung dieses Afrikas im weiten Westen.
Für diese Künstler ist Diaspora schon beinahe ein Wort des Landesverrats, auf jeden Fall
inkorrekt, denn sie ziehen nicht aus, sondern hinein in ein Afrika, das nicht an Grenzen, nicht
an Stämme, Ethnien oder Land und nicht an Nationalität gebunden ist.
Sie verbrüdern und verschwestern sich, denn dieses Afrika ist inzwischen überall ausgestreut.
Man blicke doch bloß hin und sehe die Millionen von Schwarzen von Kanada hinunter nach den USA, nach der Karibik und bis nach Brasilien. Der Westen ist doch längst afrikanisiert. Man muss endlich den Mut haben, sich auf Augenhöhe gleich zu kommen. Die Künstler schaffen daran und sind die wichtigsten Bindeglieder, um Visionen aufzuzeigen.
Alle die jetzt lebenden Millionen von kreolisierten oder noch schwarzen Menschen müssen realisieren und spüren, dass sie nicht zwischen den Stühlen sitzen und West and West belong together. Es sind einfach andere Aspekte oder Sichten, so etwa wie japanische Holzschneider
den Fujiama im Kopf mit 100 verschiedenen Ansichten umkreisen. Der Berg macht sie und sie machen den Berg.
Es ist daher endlich unsere Pflicht, Künstler, Schriftsteller, Musiker oder Tänzer nicht in der Emigration oder gar auf der Flucht vor Afrika zu sehen: nein, sie machen das Afrika des
Ausbruchs und des Aufbruchs nach einem neuen tieferen Verständnis einer Kontinental-Geschichte, eine, die nicht nach Hautfarben Ausschau hält, nicht nach traditioneller
Geographie sich richtet, nicht trennt, was durch Schicksal längst verbunden.
West to West ist ein Manifest zu einem erweiterten Denken und zum Einbezug von all dem, was längst im Kopf und auf dem Lande – einfach als Menschheit zusammengehört.
West to West selbst versucht alte Trennungen zu vereinen. Dieser Westen ist auch in Europa, ganz besonders bei den ehemaligen Kolonialmächten Grossbritannien, Frankreich, Portugal, Holland, Italien und auch in Deutschland oder der Schweiz. Afrika ist hier, längst hier und Politik gewährt nur feindliche Aufnahme. Selbst Intellektuelle wurden lange Opfer falscher Einteilungen oder solcher, die meinten Afrikaner sollten in Afrika bleiben und zur Tradition – auch in der Kunst stehen. Zu welchem Afrika? Wo stammt diese Blindheit her? Und was hält Politik davon ab, nicht das Recht einzugestehen, dass Afrika längst hier ist und ein Teil unserer Kultur?
West to West will ein Beitrag zu einem Aufbruch nach mehr Ehrlichkeit und Realismus sein, nach mehr Gleichheit und Verbrüderung, nach dem Recht auch, global sein zu dürfen, ohne sofort als Verräter ihrer Kultur in eine enge Ecke gestellt zu werden. Stets mit der Frage gedrängt: „Wo ist die Maske?“ oder „Warum nicht in eurer eigenen Sprache?“ etc. Jede solche Frage ist eine Ausgrenzung, eine Diskriminierung. Die Welt ringsum ist aufgebrochen zu West to West.
West to West ist ein Nein zum Go home und eine Wende zum Denken dass Heimat immer dort ist und wird, wo zwei Gegensätze (selbst wenn sie es sind) zusammen kommen.
West to West verlässt die gemeine und gefährliche Rootsmentalität, verlässt Négritude und Negersein, und findet zu den gleichen Menschen – mit Sorgen, Armut und Reichtum, mit Neid
und Geiz, mit Sehnsucht und Eros. Was denn – außer in den Köpfen – trennt denn
West to West?
Al Imfeld, September 2005
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| EL Loko "Où ètiez-vous", Holzdruck 1977 | |