Aufbruch im Westen
 
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Karl Fred Dahmen - Karl Otto Götz - Herbert Kaufmann - Fritz Martin -
Hanns Pastor - Raoul Ubac - Hubert Werden


Die informelle Malerei der 50er und 60er Jahre in der Region Maas - Rhein

Der Aufbruch der modernen Kunst nach dem Kriege hatte in Westdeutschland an den verheerenden
Folgen einer fast totalen künstlerischen Isolation zu leiden. Das Fehlen sämtlicher Kommunikations-
möglichkeiten mit den neuen Entwicklungen der Kunst im Westen hielt noch weit bis in die 50er
Jahre vor; darüber hinaus waren auch die alten, konservativen Strukturen in der öffentlichen Kulturpflege nicht von heute auf morgen zu verändern.
In dieser Situation war die Moderne in Deutschland vor allem auf das Engagement Einzelner angewiesen, welche eigene Kontakt- und Vermittlungsmöglichkeiten zum Ausland besaßen. Auf
diese Weise gelang es einer Region wie Aachen, welche bereits vor dem Kriege ein zwar kleines,
aber dennoch sehr kreatives Künstlerpotential besaß, zu einem spezifischen Impulsgeber für die
Ausbreitung der abstrakten, speziell der informellen Malerei zu werden.
Es waren vor allem die eng befreundeten Maler Karl Fred Dahmen und Karl Otto Götz, die schon
frühzeitig in Paris enge Kontakte mit gleichgesinnten französischen Künstlern und Galeristen
aufgenommen hatten. Die hieraus erwachsenen "deutsch-französischen Gemeinschafts-
ausstellungen junger Künstler" im Aachener Suermondt-Museum sind Meilensteine für die
Ausbreitung der neuen Kunst des Westens und frühe Zeichensetzungen für eine wiedergewonnene kulturelle Freundschaft zwischen ehemals verfeindeten Nationen.
Aus diesen ersten Verbindungen heraus bildete sich im Aachener Raum eine engagierte junge
Künstlergemeinschaft, deren Mitglieder selbst wiederum ihre Kontakte nach Paris und zum
Rheinland intensivierten. Nicht zu vergessen bleibt ein künstlerischer Grenzgänger von der anderen Seite, der in Malmedy aufgewachsene Raoul Ubac (Rolf Ubach) der enge Freundschaften und einen künstlerischen Austausch mit den Aachenern pflegte.
Künstlerisch gesehen fand - bei aller Internationalität der neuen Sprache Kunst - in den Werken
der hier vorgestellten Maler allmählich eine eigenständige Herausbildung statt, welche eher dem
zeitgenössischen deutschen Informel als der farbenreichen "peinture" der Franzosen zuzuordnen ist.
Ihre innovativen Arbeiten suchten den traditionellen Formenkanon aufzuheben, um zu neuen,
gestisch-bewegten Gestaltungen zu kommen, welche sich von der Einansichtigkeit des Gegen-
standes lösen wollten und welche die Komplexität unseres Wahrnehmens, unserer Bewegungen
und unserer vielschichtig überlagerten Vorstellungsbilder in einer unmittelbaren, spontanen
Entäußerung ins Bild übersetzen wollten.
Das geplante Begelitbuch zur Ausstellungstournee fasst diese Malergruppe erstmals in einer
größeren Publikation zusammen, stellt ihre Werke und Biografien in einen kunsthistorischen Zeit-
bezug und dokomentiert ebenso die Verbindungslinien dieser Region mit dem westlichen Ausland.
Dr. Adam C. Oellers

Aufbruch im Westen - Ausstellungstermine:
Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen  16.09. - 26.11.2006
Kunstverein Aalen   05.09. - 24.10.2010

 

 

  aufbruch
 
  Katalogbuch: Format: 21 x 23cm, 132 Seiten,
70 Farbabbildungen, Klebebindung, Softcover
ARTCO, 2006 Texte: Joachim Melchers / Adam C. Oellers